Helden des Naturschutzes: Ein Jahr im Leben des Wildtierteams von Cousine Island

Auf Cousine Island gibt es keine Nebensaison. Der Rhythmus ändert sich – von mondbeschienenen Schildkrötenpatrouillen am Strand bis hin zu Vogelzählungen im Blätterdach bei Tagesanbruch –, doch die Arbeit hört nie auf. Seit mehr als 32 Jahren, seither Herr Keeley 1992 ein umfassendes Renaturierungsprogramm ins Leben rief, wacht ein kleines, engagiertes Team von Naturschutzbeauftragten über eine der ökologisch bedeutendsten Privatinseln im Indischen Ozean.

Ein Mitglied des Naturschutzteams erstellt auf der Insel Cousine eine Anleitung für die Freilassung von Jungtieren

Ein Mitglied des Naturschutzteams erstellt einen Leitfaden für die Freilassung von Jungtieren

Mit Beginn des Aprils, wenn die letzten Schildkrötenbabys der Saison ihren Weg ins Meer antreten, richtet sich die Aufmerksamkeit des Teams bereits auf andere Dinge. Die Seevogelkolonien wachsen heran. Die Zwergseeschwalben nisten. Und ein neues Kapitel im ökologischen Jahreszyklus von Cousine Island beginnt.

Die Schildkrötensaison geht zu Ende

Die Echten Karettschildkröten und Grünen Meeresschildkröten, die an den Stränden von Cousine Island nisten, kommen zwischen September und Februar an, wobei die Jungtiere von Dezember bis April schlüpfen. Bis sich Ende März der Wind dreht, hat das Team bereits jedes Nest erfasst, jedes Schlüpfen per GPS protokolliert und jedes Jungtier gezählt, das über den Sand zum Wasser gekrabbelt ist.

Diese Saison erforderte, wie jede Saison zuvor, Geduld. In den Hauptnistmonaten durchstreiften die Naturschutzbeauftragten jede Nacht mehrmals den gesamten Strand und hielten Ausschau nach den charakteristischen Spuren, die darauf hindeuten, dass ein Weibchen an Land gekommen war. Wenn sie solche Spuren fanden, beobachteten sie die Situation still aus der Ferne, ohne jemals einzugreifen, und hielten wichtige Daten fest: Art, Standort, Nisttiefe und geschätzte Gelegegröße. Jedes Nest wurde dann bis zum Schlüpfen überwacht.

Der April bringt vielleicht die letzten Jungtiere des Jahres mit sich – ein stiller, bittersüßer Abschluss einer Saison, die eine enorme emotionale Bedeutung hat. Jedes Jungtier, das das Wasser erreicht, ist ein kleiner, aber bedeutender Erfolg für eine Art, die weltweit unter dem Druck von Lebensraumverlust, Klimawandel und Meeresverschmutzung steht. Doch für das Team gibt es keine Zeit zum Ausruhen. Die nächste Saison auf der Insel hat bereits begonnen.

Die Gesundheit und der Fortpflanzungserfolg von Seevogelkolonien werden überwacht

Die Seevogelkolonien

Ein ganz besonderes Spektakel

Wenn die Aktivität der Schildkröten nachlässt, erwacht der Himmel über der Insel Cousine zum Leben. Die Insel beherbergt neun Seevogelarten, darunter Feenseeschwalben (800–1.000 Brutpaare), Weißschwanz-Tropikvögel (1.000 Paare) und Kleine Noddies (50.000–55.000 Paare). Feen-Seeschwalben und Weißschwanz-Tropikvögel brüten das ganze Jahr über auf Cousine, doch ab April nimmt die Aktivität zu, da sich die Bedingungen ändern und die südöstlichen Passatwinde beginnen, die Nahrungsgewohnheiten zu beeinflussen.

Im Mai treffen die Noddies und Rußseeschwalben in großer Zahl ein. In der Hochsaison halten sich mehr als 100.000 Seevögel auf der Insel auf – eine Dichte, die das gesamte Landschaftsbild verändert. Das Naturschutzteam überwacht den Bruterfolg, die Neststandorte und die Bestandsentwicklung aller Arten und speist die Daten in ein ökologisches Archiv ein, das mittlerweile mehr als drei Jahrzehnte umfasst.

Für Gäste, die in den kommenden Monaten zu Besuch kommen, zeigt sich die Insel von ihrer eindrucksvollsten Seite. Allein das Geräusch ist unvergesslich: Zehntausende Vögel rufen, kreisen, landen und suchen nach Nahrung. Eine geführte Naturwanderung während der Seevogelsaison ist mehr als nur Vogelbeobachtung. Man befindet sich mitten in einer der größten und intaktesten Seevogelkolonien im westlichen Indischen Ozean.

Hinter den Schlagzeilen

Ein intaktes Ökosystem unter Schutz

Schildkröten und Seevögel mögen zwar die sichtbarsten Bestandteile des Naturschutzprogramms sein, doch der Aufgabenbereich des Teams reicht weit darüber hinaus. Die Insel Cousine ist ein Rückzugsgebiet für zahlreiche gefährdete und endemische Arten. Die Seychellen-Elsterdrossel, einst einer der seltensten Vögel der Erde, gedeiht hier heute dank jahrzehntelanger Renaturierungsmaßnahmen. Die Seychellen-Grasmücke, eine weitere Art, die vor dem Aussterben gerettet wurde, ist regelmäßig in den Baumkronen über den Wanderwegen zu sehen.

Auf der Insel leben außerdem zehn Arten von Landvögeln, Aldabra-Riesenschildkröten, Geckos, Skinke sowie ein artenreiches Meeresökosystem, zu dem Walhaie, Riffhaie und Mantarochen gehören. Das Naturschutzteam überwacht all dies: Bestandserhebungen, Bruterfolgsraten, den Zustand der Lebensräume sowie die Überwachung invasiver Arten.

Wiederherstellung des natürlichen Waldes durch die Anpflanzung einheimischer und gefährdeter Baumarten

Das Land wiederherstellen – Baum für Baum

Der Naturschutz auf Cousine Island geht weit über die Tierwelt hinaus. Auf der Insel gibt es eine eigene Baumschule, in der einheimische Pflanzenarten für die Wiederaufforstung vermehrt werden. Eine Solaranlage und ein Regenwassersammelsystem verringern den ökologischen Fußabdruck der Insel, während ein umfassendes Recyclingprogramm und Initiativen zur Wiederherstellung der Meeresökosysteme das umliegende Riff und den Ozean schützen.

Die Gäste sind eingeladen, sich direkt durch das Pflanzen einheimischer Bäume zu beteiligen – eine praktische Erfahrung, die zur fortlaufenden Wiederaufforstung beiträgt und den Besuchern eine greifbare Verbindung zur Naturschutzmission vermittelt. Es ist eine Sache, über Umweltschutz zu lesen. Eine ganz andere ist es, einen einheimischen Setzling in die Erde zu setzen und zu wissen, dass er auf dieser Insel noch lange nach Ihrer Abreise weiterwachsen wird.

Zählung von Schildkröteneiern zur Erfassung von Daten zu Nist- und Schlüpfvorgängen

Die Menschen hinter der Mission

Was die Naturschutzgeschichte von Cousine Island so außergewöhnlich macht, sind nicht nur die Ergebnisse, sondern vor allem die Menschen. Die Naturschutzbeauftragten sind keine distanzierten Forscher, die Artikel in Fachzeitschriften veröffentlichen. Es sind Inselbewohner, die das ganze Jahr über auf Cousine leben und arbeiten, die jede Schildkrötenspur auf den ersten Blick erkennen und jedes Elsterdrossel-Verhalten auswendig kennen. Ihr Engagement ist still, beständig und zutiefst persönlich.

Für viele Gäste ist die Begegnung mit dem Naturschutzteam ein prägender Moment ihres Aufenthalts. Die Teilnahme an einer geführten Naturwanderung unter der Leitung einer Person, die sich seit Jahren für die Wiederherstellung dieses Ökosystems einsetzt, verleiht dem Aufenthalt eine Bedeutung, die kein noch so luxuriöser Service ersetzen kann. So wird aus einem Urlaub ein lehrreiches Erlebnis und aus diesem Erlebnis eine Verbindung, die lange anhält.

Erleben Sie es selbst

Die Naturschutzaktivitäten auf Cousine Island stehen allen Gästen das ganze Jahr über offen. Geführte Naturwanderungen, Vogelbeobachtungen, Erkundungstouren zum Korallenriff und das Pflanzen einheimischer Bäume erfordern keine Anmeldung – sie gehören zum festen Programm jedes Aufenthalts. Wer zwischen September und April zu Besuch ist, hat bei den Schildkrötenschutzaktivitäten die Möglichkeit, das Nisten und Schlüpfen hautnah mitzuerleben.

Um Ihren Besuch zu planen, werfen Sie einen Blick in den Öko-Kalender oder wenden Sie sich an das Reservierungsteam.

Denn auf dieser Insel ist Naturschutz kein Programm, das man nur beobachtet. Es ist eine Geschichte, deren Teil man wird.

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